Mit all meiner Liebe

Auf Flügeln der Morgenröte will ich dich tragen
ich werd bei dir sein auch an finsteren Tagen
ein wärmender Mantel will ich dir sein
sanft hüllt meine Liebe dich ein
und führt dein Weg dich durch steiniges Land
ich halte dich fest in meiner Hand
auch stürmische Meere erschrecken dich nicht
ich bin dein Segel im Sonnenlicht
und findest du nachts nicht Rast noch Ruh
mein Stern am Himmel funkelt dir zu
wenn Zweifel und Angst deine Seele beschwert
dann hab ich längst schon dein Rufen gehört
ich werde über und unter dir schweben
ich bin die Kraft in deinem Leben
so lange noch Himmel und Erden bestehen
werd ich nicht von deiner Seite gehen
zu jeder Stund und zu allen Zeiten
wird dies Vermächtnis dich begleiten.

Monika A.E. Klemmstein



Gedanken

Mein ursprünglicher Gedanke war eigentlich, ausschließlich über Manuel zu schreiben, ja, es war mir ein tiefes Bedürfnis. Doch dann erinnerte ich mich daran, wie ich im Januar diesen Jahres über das Internet begann, auf irgendeine Weise Halt zu suchen, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt noch gar keine Vorstellung hatte, wie dieser aussehen könnte. Ich fand mich im leer gewordenen Raum, abgeschnitten von erlernten Wahrheiten, von denen nicht mehr geblieben waren als Worte ohne Aussage. Nichts hatte mehr Gültigkeit, mein Weltbild war in sich zusammengefallen, das Urvertrauen an die Gesetzesmäßigkeiten der Natur abhandengekommen.

....., eine Sprache finden, die aus dem unbegriffenen
und stumm machenden Leiden herausführt,
eine Sprache der Klage, des Schreis, der Schmerzen,
die wenigstens sagt, was ist.
(Dorothee Sölle
)

Ich befand mich noch im einem Zustand, in dem ich mich zu dem Geschehenen noch nicht einmal für mich selbst in irgendeiner Weise artikulieren konnte, es war eine völlige Erstarrung. Kaum eine Sekunde verging, in der ich nicht an Manuel dachte, doch ich konnte noch nicht einmal für mich selbst formulieren, was in mir vorging, was ich empfand.





Erstarrung

Im Labyrinth
dunkelster Gedankenschleier,
nicht endender Sog
in ungeahnte Tiefen
Fragen stocken,
Worte sich auflösen
im Nichts.

Sinne
von Eiseskälte betäubt
vernichtende Glut
versteinerte Tränen.
Das Innerste zerborsten,
weit verstreut
ins All geschleudert.


© Chris
tiane Schyktanz


Da bisher noch völlig unerfahren im Internet, wusste ich aber doch von Manuel, dass dort Beiträge zu
allen Themenberichen zu finden seien. So traf ich auf "veid", andere schöne Gedenkseiten und ähnliche Schicksale. Mir selbst hat es geholfen, von anderen, die ähnliches erleben mussten, zu erfahren. Eine Verständigung, die mit “Nichtbetroffenen“ kaum möglich ist. Vielleicht kann auch diese Seite für jemanden eine Hilfe sein.
So fand ich nach und nach wieder aus dieser inneren Sprachlosigkeit hinaus, begann meine Trauer zu erleben und für mich in Worte zu fassen. Diese Erstarrung, in die ich dennoch immer wieder zurückfalle, begann sich allmählich zu lösen.


Erst in der Stunde der Trennung
erkennt die Liebe ihre Tiefe.


Khalil Gibran, Spiritual Sayings




Mein Leben ist wie leise See
Wohnt in den Uferhäusern das Weh,
wagt sich nicht aus den Höfen.
Nur manchmal zittert ein Nahn und Fliehn:
aufgestörte Wünsche ziehn
darüber wie silberne Möwen.

Und dann ist alles wieder still...
Und weißt du, was mein Leben will,
hast du es schon verstanden?
Wie eine Welle im Morgenmeer
will es, rauschend und muschelschwer,
an deiner Seele landen.


(R. M. Rilke)





Da Manuel sich viel im Internet aufhielt, war es für mich naheliegend, diesen Weg zu gehen, dort eine Seite für ihn zu erstellen, um ein wenig über ihn, über sein viel zu kurzes Leben zu schildern. Natürlich können ein paar wenige Worte und Bilder ihm niemals gerecht werden. Denn durch sein “Dasein” hinterließ Manuel so viele und tiefe Eindrücke in uns…, nur diejenigen, die ihn erlebten, wissen um ihn, um seine Ausstrahlung, seine Persönlichkeit. Nur die ihn erlebten, wissen, wie er uns mit seinen ganz leicht zusammengepressten Lippen, in sich hineinschmunzelnd, berühren konnte; oder wie er mit scheinbar unbeteiligter Miene einen trockenen Spruch losliess, währendessen seine Augen schelmisch funkelten, und welche Wonne es war, ihn anzuschauen, wenn er sich einfach nur genüsslich und zufrieden zurücklehnte.
Sehr treffend bezeichnete ein Freund von Manuel ihn als “Freidenker”, denn von freiem, unabhängigen und selbstbestimmten Denken und Handeln, einer dogmenfreien Weltansicht, ausgeprägter Toleranz und von Tiefe war seine innere Haltung bestimmt, die er mit Überzeugung lebte, ohne große Worte darüber zu verlieren.

… und es gibt Menschen, die den Sonnenaufgang der Wahrheit früher als andere sehen.

(Spruchweisheit
)


Es ist leicht, in der Welt
nach der Meinung
der Welt zu leben,
es ist leicht, in der Einsamkeit
nach der eigenen Meinung zu leben;
aber der große Mensch ist der,
der mitten im Gewühl
mit vollkommener Anmut
die Unabhängigkeit
des Einsiedlers bewahrt.


(R.W.Emerson)


Es wurde mir einmal die Frage gestellt, ob es denn besser gewesen sei, kein Kind gehabt zu haben als mit diesem Schmerz leben zu müssen. Bis dahin war dieser Gedanke für mich nicht aufgetaucht. Meine Antwort war spontan ein klares “Nein“. Später richtete ich diese Frage nochmals an mich selbst, mit dem Bewußtsein, mit Manuel einen großen Teil meines Lebens verloren zu haben – die Zukunft. Doch meine Antwort blieb die gleiche, niemals würde ich die Zeit mit Manuel missen wollen. Es war und bleibt ein einzigartiges Geschenk, einen so wunderbaren Sohn wie Manuel haben zu dürfen. Er schenkte mir durch sein Dasein, mit allem was er für mich war und auch immer bleiben wird, einen Reichtum, den mir nichts und niemand sonst geben kann. Es ist mir gar nicht vorstellbar, wäre er nicht gewesen. Durch ihn und von ihm konnte ich noch Vieles lernen und seine Werte sind mir in so mancher Hinsicht Vorbild und Maßstab geworden. Und es gibt so viele Erinnerungen..., große und kleine Momente, Augenblicke, die mich mit tiefer Liebe und Dankbarkeit erfüllen, und ich weiß, das wird sich niemals ändern.

 
Der Schmerz um die Liebe
Wie die Liebe bleibt,
Unteilbar und unendlich.


(J.W.von Goethe)


Ich denk an dich
wenn der Oktobersonne sanfte Strahlen
tauchen buntes Blätterwerk in goldnes Licht,
wenn Wolken mir so rätselhafte Wesen
in den blauen Himmel malen.

Ich denk an dich
wenn des Nachts mein Blick sich hebt,
wie unermesslich scheint mir diese Ferne,
bei des silbernen Mondesschimmer
lächeln mir
jahrtausendalte Sterne
und ich stell mir vor
das Land der Ewigkeit.

Bist mir so nah
wenn des Frühjahrs lauer Wind
ganz sachte meine Wange streift,
und aus des Baumes Wipfel
so sanft ein weißes Blütenmeer
vor meine Füße schneit.

Meine Gedanken sind bei dir
wenn von Bienensummen
ist erfüllt die Luft;
wenn verströmen zarte Blumen
betörend ihren süßen Duft;

wenn sich der Horizont verdunkelt
und Donnergrollen
die Erde lässt erbeben,
und unter schwerer Tropfen Last
die Zweige sich zu Boden legen.

Ich denk an dich
wenn Schneekristalle glitzernd
durch die Lüfte schweben,
und bedecken uns das Land
mit Liebreiz
und mit tiefer Stille.

© Christiane Schyktanz