Stiller Freund der vielen Fernen, fühle,
wie dein Atem noch den Raum vermehrt.


R.M.Rilke




Todes-Erfahrung

Wir wissen nichts von diesem Hingehn, das
nicht mit uns teilt. Wir haben keinen Grund,
Bewunderung und Liebe oder Haß
dem Tod zu zeigen, den ein Maskenmund

tragischer Klage wunderlich entstellt.
Noch ist die Welt voll Rollen, die wir spielen.
Solang wir sorgen, ob wir auch gefielen,
spielt auch der Tod, obwohl er nicht gefällt.

Doch als du gingst, da brach in diese Bühne
ein Streifen Wirklichkeit durch jenen Spalt
durch den du hingingst: Grün wirklicher Grüne,
wirklicher Sonnenschein, wirklicher Wald.

Wir spielen weiter. Bang und schwer Erlerntes
hersagend und Gebärden dann und wann
aufhebend; aber dein von uns entferntes,
aus unserm Stück entrücktes Dasein kann

uns manchmal überkommen, wie ein Wissen
von jener Wirklichkeit sich niedersenkend,
so daß wir eine Weile hingerissen
das Leben spielen, nicht an Beifall denkend.


R.M.Rilke
 

Es gibt Zeiten in unserem Leben, in welchen durch einschneidende Ereignisse unsere Wahrnehmung sich verändern oder verschärfen kann durch Erlebnisse uns seither unbekannten Wesens. Diese können uns aufzeigen, es muss noch andere Formen von Dasein geben. Können wir uns dafür öffnen, so werden wir diese Zeichen annehmen und für uns selber deuten können.

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„Wenn dich plötzlich das starke Gefühl erfasst, der, den du geliebt hast und liebst, sei dir nahe, er habe dir ein Zeichen gegeben, dann lass dich nicht irremachen: Nimm es an! Ich bin überzeugt, dass es mehr Verbindungen gibt zwischen unseren Heimgegangenen und uns hier, als die meisten von uns heute meinen.“
Jörg Zink

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Nicht wer nach ihm sucht und ausschaut,
sondern wer die Augen schließt,
wird des Unsichtbaren gewahr.

Laotse

Achtsamkeit und Vertrauen in unsere innere Stimme – die Sprache unserer Seele – führt uns zum Gewahrwerden der unsterblichen Seele und der geistigen Welt.

"Durch den Tod wird die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und dem Totenreich durchlässig, ist die gewohnte Ordnung außer Kraft gesetzt".

Leben nach dem Tod?

Zweifler, sofern sie sich mit dieser Frage überhaupt befassen, verlangen die Beweisbarkeit für das Vorhandensein, der Existenz des Lebens nach dem Tod. Doch bereits hier werden Grenzlinien vorgezeichnet und Rahmen festgelegt, innerhalb dessen Bereichs sich ein Leben nach dem Tod abzuzeichnen hätte. Bereits diese Frage ist verankert innerhalb eines Weltbilds, in welchem auch nur Raum ist für Beweise, die eben nur innerhalb dieses Weltbilds Gültigkeit finden könnten.

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Es ist alles nur eine Frage des Blickwinkels

“Es ist nicht möglich, durch systematische Erforschung der Materie zur Schöpfung vorzudringen. Materie ist die Vollendung der Vereinigung und Durchdringung der grundlegenden Kräfte. Die grundlegenden Kräfte sind geistiger Natur, also kann deren Erkenntnis nur durch den Geist vollzogen werden.”

Wahrheit

“...Es gibt genau so viele Wahrheits-Wahrnehmungen, wie es Menschen gibt...Das Erkennen einer persönlichen Wahrheit hängt vom jeweiligen Bewusstseinszustand ab. Das heisst, je bewusster wir sind, desto grösser sind auch die Fähigkeiten, Wahrheit zu erfahren...”

(Eberhard Koch)




Leise wehen schattende Winde...

Manchmal sinkt
ein leuchtend warmer Schimmer
über alle Dinge, und vertrauter
wird mir jene Wirklichkeit.

Der Glanz deiner Blicke
liegt in meinem Herzen
eingebettet und bescheint
der bitteren Stunden Dunkelheit.

So tast ich mich, mein Sohn,
im Schutze unserer Liebe
zurück ins Leben,
welches mir bestimmt,
und Rosenblüten streu ich
auf von dir begangene Wege.

Kein Ton
will deinen Lippen
mehr entfliehn,
drum tanzen lautlos nun
kristallzart reine Wesen
in grenzenlosem Raum.

Leise wehen schattende Winde...


© Christiane Schyktanz

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der Tod ist die uns abgekehrte, von uns unbeschienene Seite des Lebens: wir müssen versuchen, das größeste Bewußtsein unseres Daseins zu leisten, das in beiden unabgegrenzten Bereichen zu Hause ist, aus beiden unerschöpflich genährt…Die wahre Lebensgestalt reicht durch beide Gebiete, das Blut des größesten Kreislaufs treibt durch beide: es gibt weder ein Diesseits noch ein Jenseits, sondern nur die große Einheit

(aus einem Brief, R.M.Rilke)


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Das Sterben ist der Augenblick jener Befreiung von der Einseitigkeit einer Individualität, welche nicht den innersten Kern unseres Wesens ausmacht, vielmehr als eine Art Verirrung desselben zu denken ist: die wahre ursprünliche Freiheit tritt wieder ein, in diesem Augenblick, welcher, im angegebenen Sinn, als eine restitutio in integrum (Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand: Ausdruck des römischen Rechts) betrachtet werden kann.....

(Arthur Schopenhauer)

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© Christiane Schyktanz



Es erschrecket uns,
Unser Retter, der Tod. Sanft kommt er
im Gewölk des Schlafs,


Aber er bleibt fürchterlich, und wir sehen nur
Nieder ins Grab, ob er gleich uns zur Vollendung
Führt aus der Hüllen der Nacht hinüber
In das Erkenntnisse Land.


(Friedrich Hölderlin)

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Durch der Morgensonne
milder Wärme
sich lichten feine Schleier,
über sanfte Aue
hinüber fliegt
ein Silberreiher.

Die Gräser sich
in morgendlichem Winde wiegen
und Schmucktauperlen
noch auf fein gesponnenen Weben liegen.

Ein leises Plätschern
nur vernehmbar
von einer Quelle
die so rein und klar,
springt tänzelnd
über moosbewachsne Steine,
gesäumt von zarten Blüten
unter dichtem Blätterwerk
schlanker, hochgewachsner Bäume.

Unbeirrbar folgt sie ihrem Lauf
ist so voller Leben,
als habe jeder einzelne Tropfen
eine Weisheit zu erzählen.
Hört ich sie nicht leise flüstern
von des Daseins Wahrheit,
welches ungebunden ist,
frei
von Raum und Zeit?

Es war ihr nicht bestimmt
zum Strom zu werden,
entzieht sich aller Blicke
versickert unter warmer Erden.
Doch ein leises Murmeln
noch ist zu vernehmen.
Wenn du dort verweilst
wirst auch weiterhin sie hören
singt ihr Lied so voller Anmut,
voller Liebe
bis in Ewigkeit.

© Christiane Schyktanz




Natur ist nichts, was nur mit dem Auge allein gesehen werden kann.
Sie liegt auch in der Seele,
in den Bildern auf der Rückseite des Auges.

Evard Munch




Euer Ich ist nicht eingekerkert
in eurem Leib, noch ist es beschränkt
auf eure Häuser und Felder.
Euer wahres Selbst weilt über dem Berg
und streift mit dem Wind.
Es ist ein freies Wesen, ein Geist,
der die Erde umspannt
und sich im Weltall bewegt.

Khalil Gibran



 

 

Für Wunder brauchen wir Augen,
die sehen,
und ein Herz, das versteht,
für ein Wunder
zu danken.

 



Die Stimmen der Natur

Wenn die Vögel singen, rufen sie dabei die Blumen des Feldes
oder sprechen mit den Bäumen,
oder ist ihr Gesang nur ein Widerhall dessen, was das Bächlein murmelt?
Der Mensch mit all seiner Klugheit kann nicht verstehen,
was die Vögel sagen oder was der Bach vor sich hinmurmelt
oder was die Wellen flüstern, wenn sie langsam und sanft den Strand berühren.

Der Mensch in all seiner Klugheit kann nicht verstehen,
was der Regen spricht, wenn er auf die Blätter in den Bäumen fällt
oder wenn er aufs Fensterbrett tropft.
Er weiss nicht, was der flüchtige Wind den Blüten zu erzählen hat.

Aber das Herz des Menschen ist im Stande,
die Bedeutung dieser Stimmen zu fühlen und zu begreifen.
Oftmals bedient sich die ewige Wahrheit einer geheimnisvollen Sprache.
Seele und Natur unterhalten sich miteinander, während der Mensch abseits steht,
sprachlos und verwirrt.
Und hat der Mensch nicht Tränen vergossen über diese Stimmen?
Sind seine Tränen nicht ein beredtes Zeichen seines Verstehens?

(Khalil Gibran)



Du bist die Zukunft, großes Morgenrot über den Ebenen der Ewigkeit. Aus ihnen
kommt mir Wissen, daß ich Raum zu einem zweiten, zeitlos breiten Leben habe.

(R.M.Rilke)


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Unendlich und geheimnisvoll
Durchströmt uns süßer Schauer –
Mir deucht, aus tiefen Fernen scholl
Ein Echo unsrer Trauer.
Die Lieben sehnen sich wohl auch
Und sandten uns der Sehnsucht Hauch.

(Novalis)

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Alle weltlichen Dinge sind nur ein Traum im Frühling.
Betrachte den Tod als Heimkehr.

(Konfuzius 551-479 v.Chr.)


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Ägyptisches Totengebet

Gewähre,
daß ich ein- und ausgehe in meinem Garten,
daß ich mich kühle in seinem Schatten,
daß ich Wasser trinke aus meinem Teich
jeden Tag,
daß ich lustwandle am Ufer meines Teiches
ohne Unterlaß,
daß meine Seele sich niederlasse auf den
Bäumen,
die ich gepflanzt habe,
daß ich mich erquicke unter meinen
Sykomoren.

(Verfasser unbekannt)
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Die Flöte des Unendlichen wird ohne Ende gespielt,
und ihr Ton ist die Liebe.

(Kabir, 1440-1518, )

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Ich glaube, daß wir einen Funken jenes ewigen Lichts in uns tragen, das im Grunde des Seins leuchten muß und welches unsere schwachen Sinne nur von ferne ahnen können.

(J.W. v. Goethe)